Free Shaping: Clickertraining Part 2

Free Shaping Clicker Training mit dem Hund

In meinem letzten Blogpost [Clickertraining mit dem Hunde: Eine Anleitung zur smarten Auslastung] habe ich bereits erklärt, was das Clickertraining ist und wie es aufgebaut wird. In diesem Blogpost möchte ich nun auf das Free Shaping eingehen. Mittlerweile erarbeitet Malu sich ihre Tricks so gut wie selbst und das mithilfe des Free Shapings, es ist sozusagen die “advanced version” vom Clickertraining.

Disclaimer

Ich erkläre Euch wie WIR das Free Shaping gemeinsam durchführen. Bitte bedenkt, dass ich keine Hundetrainerin bin und jeder Hund ein ganz individuelles Training braucht. Dies ist das Training wie es für uns klappt, was aber nicht bedeutet, dass es für jeden Hund so funktioniert. Nicht jeder Hund lernt gleich schnell. Dennoch hoffe ich Euch mit diesem Blogpost ein wenig Input geben zu können.

Was ist Free Shaping?

Free Shaping ist Englisch und kann mit “Freiem formen” übersetzt werden. Es lehnt an das Clickertraining an, nur darf hier der Hund selbst kreativ werden und es gibt keine Handlungsvorgabe. Zur Erinnerung, beim Clickern haben wir bereits eine Erwartung, die der Hund erfüllen soll, z.B. den Ball mit der Nase anstupsen. Beim Free Shaping legen wir den Ball vor den Hund und belohnen mit dem Clicker alles, was unsere Fellnase von selbst anbietet, hier ist der Weg das Ziel.

Clickertraining -> Erwartung, das Ziel ist vorgegeben
Free Shaping -> keine Erwartung, der Weg ist das Ziel

Man schaut also gemeinsam wo das hinführt. Vielleicht bietet Euer Hund von selbst an den Ball durch die Tür zu rollen, vielleicht bietet er aber auch an ihn mit der Pfote zu “schießen”. Vielleicht geht er auch nur drum herum oder macht etwas völlig unerwartetes, man lässt sich ein bisschen überraschen. Das Schöne am Free Shaping ist, dass es Eure Bindung stärkt, eine noch intensivere Auslastung ist und das Selbstbewusstsein sowie die Frusttoleranz Eurer Hunde stärkt.

Wie funktioniert das jetzt?

Den Anfang erleichtert ihr Euch, indem Ihr einen Gegenstand nehmt mit dem Euer Hund arbeiten soll, z.B. den obengenannten Ball. Alternativ kann auch ein Reisekoffer, Karton oder Hocker und vieles mehr genutzt werden. Schnappt Euch Euren Hund, den Clicker und Euer Objekt. Platziert es und los gehts. Denkt immer dran, der Weg ist das Ziel und verabschiedet Euch (vorerst) von einer bestimmten Idee, die Ihr habt, welche Euer Hund ausführen soll.

Nehmen wir als Beispiel mal den Hocker. Belohnt jede Aktion von Eurem Hund mit dem Hocker durch ein Clicken und ein Leckerli. (Beim Clicken immer an das richtige Timing denken). Dabei dürft und sollt Ihr sogar ganz kleinschrittig arbeiten. Jeder Blick Richtung Hocker und vor allem jede Berührung wird belohnt. Habt Geduld, Frust ist auf beiden Seiten nicht zielführend.

Klappt das gut, dann clickt ihr nicht mehr für jedes kleine bisschen, sondern nur noch für größere Erfolge, z.B. Berührungen. So entwickelt sich eine Idee bzw. ein Ziel, dies könnte sein, dass Euer Hund auf den Hocker steigt. Aber selbst, wenn sich Euer Ziel als fehlbar entpuppt dürft Ihr Euch davon verabschieden und ein neues Entwickeln zum Beispiel, dass der Hund unter dem Hocker durch kriecht.

Zusammenfassung Step-by-Step:

  1. Nehmt Euch Euren Hund, den Clicker und einen Gegenstand
  2. Stellt den Gegenstand bereit und belohnt jede Aktion Eures Hundes mit einem Click (TIMING) und Leckerli
  3. Das Belohnungspensum herunterschrauben und nur noch große Erfolge belohnen
  4. Ziel anvisieren aber nicht zu verbissen sein, denn aus einem Ziele & Ideen entwickeln sich auch neue Ziele

Einführen von Kommandos

Manche Ergebnisse vom Free Shaping sind so cool und nützlich, dass man daraus ein Kommando machen möchte. Hier ist es wichtig zu warten bis Euer Hund wirklich die Aktion verstanden hat und problemlos ausführt, zu der Ihr das Kommando einführen wollt. Erst dann könnt Ihr mit dem Konditionieren loslegen. Ihr sagt das Kommando dann, wenn Euer Hund es ausführt. Also kriecht er gerade unter dem Hocker lang, clickt Ihr und sagt z.B. “kriechen”. Mit der Zeit werden Kommando und Aktion miteinander verknüpft, weshalb Eurer Hund auf das Kommando “Kriech” unter dem Hocker durchkriechen wird.

Unser beliebtester Free Shaping Trick

Free Shaping Kommando Wand

Malu kennt das Free Shaping mittlerweile und bietet von selbst viel an. Unser beliebtestes Kommando ist “Wand“, Malu hat es sich ganz von selbst erarbeitet. Es sieht süß aus, macht sich toll auf Fotos und vor allem macht es ihr super Spaß etwas zu erarbeiten. Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen ihr das Kommando für das Ablegen des Kopfes an der Wand zu geben, aber dadurch, dass sie es angeboten hat wurde es tadaaa unser Kommando.

Auf Instagram habe ich eine “nicht Clicker” Anleitung für das Ablegen des Kopfes an die Wand. Schaut gerne vorbei!

Wie viel Free Shaping ist gut?

Wie bereits in meinem vorherigem Clickertraining Post beschrieben, ist das Clickern Kopfarbeit für unsere Hunde. Um sie nicht zu überfordern ist es wichtig sowohl auf die Dauer des Trainings, als aber auch auf die Signale unserer Hunde zu achten. Gerade am Anfang solltet Ihr kurze Trainingseinheiten von nur einer Minute wählen und die Zeit des Trainings erst mit der Zeit verlängern. Wenn es zu viel ist, signalisiert Euch Euer Hund das, geht bitte unbedingt darauf ein und beendet das Training. Stress und Überforderung äußern sich vor allem durch übermäßiges hechelnÜbersprungshandlungen wie kratzen und trinken, Beschwichtigungssignale wie Schnauze lecken und Gähnen, bellen, winseln, jaulen und viel mehr.

Fazit zum Free Shaping

Die erweiterte Form des Clickerns, das Free Shaping, ist eine tolle Form der geistigen Auslastung. Sie stärkt die Bindung zwischen dem Mensch-Hund-Team und fördert die Kreativität des Hundes. Durch das Free Shaping bietet ein Hund nur die Tricks und Aktionen an mit welchen er selbst fein ist. Das finde ich eine der größten Stärken des Free Shaping. Außerdem zeigt der Hund so Tricks, auf die wir selbst nicht kommen würden.

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